Großglockner-Umfahrung mit Gipfelbesteigung

Edith Bierbaumer berichtet abseits von Trainings- und Rennstress.

Nach einem erfolgreichen Finish beim Ironman in Klagenfurt und beim Ironman 70.3 in St. Pölten in den letzten Jahren setzte ich mir in diesem Jahr ein winterliches Ziel: den Großglockner mit den Skiern besteigen. Dank eines supergenialen Winters konnte ich meiner großen Leidenschaft dem Tourenskilauf ausreichend nachkommen und noch nie zuvor waren Skitouren von November bis Juni in dieser Schneequalität möglich. Wie Süchtige haben wir uns dem Schnee hingegeben und fast der gesamte Wochenablauf wurde von den Skitourenskiern bestimmt. Statt stundenlangen Ergometereinheiten genossen wir unendliche Endorphinausschüttungen bei Tiefschneeabfahrten – genial!
 
Zu Fronleichnam gab es dann den krönenden Abschluss der Saison: die 3 tägige Großglockner-Umfahrung mit Gipfelbesteigung stand auf dem Plan. Die Tour startete auf 2.362 m bei der Franz Josefs Höhe. Der erste Tag führte gemütlich nur 3 Stunden lang zur Oberwalder Hütte. Trotz der kurzen Zeit und des geringen Anstiegs machten sich die Höhe und die Schwere des Rucksackes (15 kg) ganz schön bemerkbar. Anders als beim Triathlon gibt es hier keine Labestationen und sämtliche Ausrüstung wird nicht in der Wechselzone deponiert sondern muss konstant mitgeschleppt werden.
 
Die Umrundung des höchsten Berg Österreichs begann am Samstag unter etwas erschwerten Bedingungen. In ganz Österreich schien bereits die Sonne nur um den Großglockner hingen noch die letzten Wolken – Sturm und schlechte Sicht machten den Beginn der 8stündigen Tour zur Herausforderung. Das Wetter besserte sich und somit wurden die beeindruckenden Gletscherbrüche sichtbar und auch der Respekt vor dem steilen Anstieg auf den Romariswandsattel immer größer. Ski am Rucksack und nur mit Pickel und Steigeisen bewaffnet kämpften wir uns eine für mich senkrecht erscheinende Wand hinauf. Die Knie zitterten vor Aufregung und Mitten im Aufstieg wird mir klar, dass ich mich so etwas wahrscheinlich nie mehr trauen werde. Der obere flachere Teil ist traumhaft schön, nur auf der Kante werden wir fast vom Sturm weggefegt bevor wir über das Fruschnitz- und Tischnitzkee zum Stüdlgrat abfahren. Am Seil gesichert geht’s die Luisenscharte hinab und jetzt folgt die mentale Herausforderung des Tages: nochmals 300 Höhenmeter Anstieg zu Adlersruhe. 300 Höhenmeter sind auch im Tourensport nicht die Welt, aber immerhin hatten wir schon einige Stunden über 3000 Höhenmeter in den Beinen. Die Adlersruhe – Österreichs höchste Schutzhütte – hatte den ersten Tag ihre Pforten für uns geöffnet. Der Winterraum wäre natürlich viel ungemütlicher gewesen, aber dennoch war es alles andere als ein kuscheliger Hüttenabend. Die Wände im Lager waren innen noch mit Eis angezogen und zur Toilette schlitterte man im Keller über eine 5cm dicke Eisschicht. Wow – wir haben Juni und ich hatte Angst zu erfrieren. Vor dem Schlafengehen zogen wir mehr Gewand als bei allen Skitouren an und dank 3 Decken, Haube, Handschue und der restlichen Winterbekleidung haben wir die Nacht überlebt. Der Anstieg zum Gipfel war mehr als stürmisch und mehrmals stemmte ich mich mit aller Gewalt in die Zacken meiner Harscheisen um nicht das Glocknerleitl hinunter zu sausen. Als mir der Sturm zum wiederholten Male kleine Eisbrocken ins Gesicht warf wusste ich, dass es Zeit war vom Winter Abschied zu nehmen. Nun war ich endgültig bereit mich von den Tourenskiern zu lösen um dem Moutainbike und dem Bikini den Vortritt zu lassen. Beim Skidepot kamen wir gottlob auf die windgeschützte Seite, dafür wuchs meine Nervosität vor dem Anstieg. Gesichert am Seil kämpfte ich mit Pickel und Steigeneisen um jeden Höhenmeter und gegen meine Angst. Nach ein paar Metern bin ich jedoch gut hineingekommen und man gewöhnt sich überraschend schnell an die Höhe, die ausgesetzten Stellen und gewinnt Vertrauen ins Material. Der viele Schnee bereitete uns schöne Tritte und trotz Stau am Weg zum Gipfel ist es im Winter um vieles stressfreier und ruhiger als in den hektischen Sommermonaten. Die berühmte Pallavicine Rinne, dann noch eine anspruchsvolle Kletterpassage und dann ist es soweit: ich stehe am höchsten Gipfel Österreichs. Wahnsinn! Die Aussicht ist atemberaubend – blauer Himmel, weiße Gipfel und grüne Wälder soweit das Auge reicht. Als krönenden Abschluss gibt es eine 1.500 Höhenmeter lange Abfahrt bei sensationellen Schneebedingungen. Doch die letzten 3 Tage machen sich bemerkbar und man ist dann auch sehr froh, dass die schöne Abfahrt ein Ende nimmt. Der allerletzte Anstieg von der Pasterze zurück zur Franz Josefs Höhe macht zwar alles andere als Spaß, aber umso stolzer sind wir als oben angekommen unsere schweren Rücksäcke vor den erstaunten Halbschuhtouristen abstellen. Ein Holländer kann es nicht fassen – ja wir kommen tatsächlich gerade vom Gipfel des höchsten Berges Österreichs.
 
Obwohl ich mir in den beiden fast schlaflosen Nächten (bedingt durch die Höhe, Kälte und schnarchende Lagerkollegen) oftmals gedacht habe, dass ich mir das so schnell nicht wieder antue gab es am Rückweg nur mehr einen Gedanken: „Welchen Berg nehme ich als nächstes und hoffentlich kommt der nächste Winter bald!“

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